(Vorstand, DITIB Mannheim 16.06.2026)
Die DITIB – Türkisch-Islamische Gemeinde zu Mannheim e.V. (ehemals: Islamischer Bund Mannheim e.V.), gegründet 1972, eröffnete 1995 die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee. Bis 2008 war sie die größte Moschee Deutschlands und bietet heute Platz für etwa 2.500 Personen – die höchste Kapazität in der Bundesrepublik. Durch das Projekt “Offene Moschee” und die zentrale Lage am Luisenring ist die Moschee zu einem Symbol für das weltoffene, multikulturelle und friedliche Mannheim geworden. Alle drei Weltreligionen sind innerhalb von zehn Minuten zu Fuß erreichbar: die katholische Liebfrauenkirche liegt direkt gegenüber und die Synagoge der Jüdischen Gemeinde befindet sich im Quadrat F3. Die DITIB – Türkisch-Islamische Gemeinde zu Mannheim e.V. ist Unterzeichner der Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt. Am 30. April 2025 wurde die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee zudem in die Liste der Kulturdenkmale des Landes Baden-Württemberg gemäß § 2 des Denkmalschutzgesetzes aufgenommen.
Geschichte:
• 1950er Gemeinsame NATO-Mitgliedschaft:
Die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Türkei gehören dem nordatlantischen Verteidigungsbündnis NATO (North Atlantic Treaty Organization) an. Die Türkei ist seit dem 18. Februar 1952, Deutschland seit dem 6. Mai 1955 Mitglied des Bündnisses. Die gemeinsame Mitgliedschaft unterstreicht die langjährige sicherheits- und bündnispolitische Verbundenheit beider Staaten.
•30.10.1961: Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und der Republik Türkei. Als bedeutende Industriestadt nahm Mannheim in den folgenden Jahren zahlreiche Arbeitskräfte aus der Türkei auf, die wesentlich zum Wohlstand und zur Entwicklung der Stadt beitrugen.
•13.03.1972: Gründung des Vereins „Islamischer Bund Mannheim e.V.“ durch Mehmet Ak (Gründungsvorsitzender).
Heute: DITIB – Türkisch Islamische Gemeinde zu Mannheim e.V.
•23.11.1973: Inkrafttreten des Anwerbestopps unter Bundeskanzler Willy Brandt.
•1972-1995 Neben dem Gebetssaal im Hinterhof des Quadrats G 7, 18 wurden gemeinschaftliche Gebete insbesondere in den 1970er Jahren auch in den Wohnheimen der damaligen Gastarbeiter sowie an weiteren Standorten im Mannheimer Stadtgebiet organisiert. Viele Gemeindemitglieder arbeiteten im Schichtbetrieb der Mannheimer Industrieunternehmen und verfügten nur über begrenzte Mobilitätsmöglichkeiten. Die oft einfachen Wohnverhältnisse und langen Arbeitszeiten erschwerten die Teilnahme am religiösen Gemeindeleben, weshalb Gebetsangebote in unmittelbarer Nähe des Arbeits- und Wohnumfeldes eingerichtet wurden.
• 09.03.1980: Der Vorstand des Islamischen Bundes beschließt, die religiöse Betreuung der Gemeinde künftig ausschließlich durch von der türkischen Religionsbehörde Diyanet entsandte Religionsbeauftragte sicherzustellen.Der Beschluss wurde während der Amtszeit des Gemeindevorsitzenden Abbas Soğanlı gefasst.
• 23.03.1980 / 16.10.1980: Der Vorstand des Islamischen Bundes beschließt, dass parteipolitische Aktivitäten und religiöse Ordensrituale (Tarikat-Ayini) innerhalb des Vereins in jeglicher Form strengstens untersagt sind.
•05.07.1984 Gründung der DITIB – Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. in Köln (Dachverband)
• 1984 fasste der Verein den Beschluss, einen dem religiösen Zweck würdigen Neubau mit Kuppel und Minarett zu errichten, darin unterstützt vom neu gegründeten Dachverband DITIB in Köln. Die Stadt Mannheim unter Leitung von Oberbürgermeister Gerhard Widder (SPD) förderte die Neubaupläne und schlug nach längerer gemeinsamer Suche 1989 das seit dem Krieg brachliegende, städtische Grundstück (Trümmergrundstück) am Luisenring vor. Der Ankauf des Grundstücks durch den Verein erfolgte noch im selben Jahr zum Preis von 731.000 Mark, die vollständig durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert wurden, überwiegend durch die Gemeindemitglieder aus Mannheim. Bereits damals wurden auch erste Skizzen für den Neubau entwickelt.
• 05.05.1985 Osman Özay wird neuer Gemeindevorsitzender.
• 08.06.1986: Zur Stärkung der Jugendarbeit wird auf Beschluss des Gemeindevorstands eine Jugendgruppe gegründet.
• 29.05.1989 Die Mannheimer Erklärung für Toleranz und Offenheit in Zusammenarbeit mit Ausländern und Zuwanderern wird unterzeichnet. Initiiert wurde sie vom FDP-Kreisvorsitzenden Berndt Rüdiger Paul und vom damaligen Oberbürgermeister Gerhard Widder (SPD) unterstützt.
• 1990 legte der Verein der Stadt sechs unterschiedliche Entwürfe vor. Der Bauantrag für die präferierte Variante wurde im Februar 1991 eingereicht und im Oktober 1992 genehmigt.
•1993: Baubeginn der Moschee unter dem Gemeindevorsitzenden Osman Özay (heute: Ehrenvorsitzender). Die feierliche Grundsteinlegung fand am 12. März 1993 statt. Im November 1993 war der Rohbau fertiggestellt, im Februar 1994 hatte man den Innenausbau abgeschlossen.
•03.03.1995 Feierliche Eröffnung der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee am Luisenring durch den damaligen Gemeindevorsitzenden Osman Özay (heute Ehrenvorsitzender). Eine Janitscharenkapelle spielte zur Eröffnung auf dem Toulonplatz und zog anschließend gemeinsam mit tausenden Menschen in einem festlichen Zug zur Moschee, wo viele weitere Gäste bereits warteten. Die Herstellungskosten beliefen sich auf rund 10 Millionen D-Mark und wurden vollständig durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, die überwiegend von Gemeindemitgliedern aus Mannheim aufgebracht wurden; zudem beteiligten sich Menschen aus der umliegenden Region an der Finanzierung. Bis 2008 galt sie als die größte Moschee Deutschlands. Die Moschee ist nach dem osmanischen Sultan Selim I. (reg. 1512–1520), auch bekannt als Yavuz Sultan Selim, benannt. Er war der erste osmanische Herrscher, der den Titel des Kalifen trug, und zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten in der Geschichte des Osmanischen Reiches.
• 1995 Nach der Moscheeeröffnung wird der Besucherdienst im Rahmen des neu geschaffenen Konzepts ‚Offene Moschee‘ eingerichtet. Ab 1995 leitet Dr. Bekir Alboğa den Besucherdienst über viele Jahre.
• 29.01.2002: Nihat Selçuk wird neuer Gemeindevorsitzender.
• 2004-2005: Das ursprüngliche Minarett der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee wurde aufgrund von Bauschäden vollständig ersetzt. Das heutige Minarett erreicht eine Gesamthöhe von 35 Metern. Der Turm der benachbarten Liebfrauenkirche ist über 74 Meter hoch.
• 26.02.2006 Bilal Dönmez wird neuer Gemeindevorsitzender.
• 10.12.2006: Der Gemeindevorstand beschloss die Gründung eines der Gemeinde angegliederten Trägervereins für einen Kindergarten. Das Vorhaben sollte in Kooperation mit dem DITIB-Bundesverband umgesetzt werden. Ziel des Projekts war es, muslimischen Akteuren die Übernahme von Verantwortung im Bildungsbereich zu ermöglichen und ein pädagogisches Konzept zu etablieren, das die Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt stellt. Die Einrichtung sollte eine bestehende Lücke im Mannheimer Bildungsangebot schließen und der wachsenden Nachfrage nach Angeboten der frühkindlichen Bildung und Betreuung begegnen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der aktiven Elternarbeit und der engen Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kindergarten. Faruk Şahin, der 2. Vorsitzende, kümmert sich um die Koordination.
• 02’2009-12’2011 Aus den Moscheeführungen der DITIB Mannheim (Beginn 1995 mit dem Projekt „Offene Moschee“) entwickelte sich das bundesweite Projekt ProDialog des DITIB-Bundesverbandes unter Dr. Bekir Alboğa und Faruk Şahin. Ziel war die Ausbildung ehrenamtlicher Moscheeguides und Multiplikatoren, gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und den Europäischen Integrationsfonds (EIF).
• 04.12.2013: Eröffnung des Kindergartens Lalezar in der Mannheimer Neckarstadt. Träger ist der Verein „Lalezar – Tulpengarten – Verein zur Errichtung und Erhaltung muslimischer Kindergärten e.V.“, der am 17.10.2013 vom Bildungsausschuss der Stadt Mannheim als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt wurde.
• 17.02.2016 Die DITIB-Jugend Mannheim wird in den Stadtjugendring Mannheim e.V. aufgenommen. Der Stadtjugendring Mannheim e.V. ist die Arbeitsgemeinschaft von Mannheimer Jugendverbänden.
• 22.07.2022: Hızır Oymak wird neuer Gemeindevorsitzender.
• 2023: Erstmals prägen verstärkt in Mannheim geborene und mit der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee aufgewachsene Gemeindemitglieder die Vorstandsarbeit. Dies markiert einen wichtigen Generationswechsel und führt zu einer Neuausrichtung der Gemeinde- und Vorstandsarbeit.
• 2024-2025 In den Jahren 2024 und 2025 erfolgte eine umfassende Sanierung der Fassade, des Moscheedachs sowie des Minaretts.
• 13.05.2024: Die DITIB Mannheim beendet ihre Mitwirkung im Arbeitskreis Islamischer Gemeinden Mannheim (AKIG).
• 31.12.2024: Die DITIB Mannheim beendet die Zusammenarbeit mit dem Mannheimer Institut für Integration und interreligiöse Arbeit e.V.
• 01.01.2025: Die DITIB Mannheim organisiert und verantwortet die Moscheeführungen seit diesem Datum eigenständig als Gemeinde. Die Führungen werden ausschließlich von ehrenamtlichen Moscheeguides der DITIB Mannheim mit gültigem DITIB-Zertifikat durchgeführt und sind für Besuchende kostenfrei. Die Gemeinde erhält hierfür keine Zuschüsse der Stadt Mannheim oder sonstiger Zuwendungsgeber. Mit großer Freude begrüßt die Gemeinde regelmäßig Schulklassen, Kindergartengruppen und weitere Besucherinnen und Besucher. Die Moscheeführungen schaffen Raum für Fragen, Begegnungen und ein gegenseitiges Kennenlernen.
• 05.02.2025: Die Mitgliedschaft im Mannheimer Forum der Religionen ruht seit diesem Datum.
• 25.03.2025: Feierliches Fastenbrechen zum 30-jährigen Jubiläum der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee. Der Gemeindevorsitzende Hızır Oymak wurde im Mannheimer Morgen mit den Worten zitiert: „Wir riefen Arbeiter, und es kamen Menschen.“ Für den Ehrenvorsitzenden Osman Özay ist die Moschee ein „Symbol dafür, was möglich ist, wenn Menschen sich die Hand reichen, anstatt Mauern zu errichten.“ Gemeindesekretär Cem Yalçınkaya betonte: „Ich glaube schon, dass wir in der Stadtgesellschaft angekommen sind“ – und dass die Moschee heute für gelebte Normalität und Zugehörigkeit stehe.
• 30.04.2025 Aufnahme der Yavuz-Sultan-Selim Moschee in die Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg (§2 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg). Die Unterschutzstellung würdigt die Moschee als bedeutendes Zeugnis der Mannheimer Einwanderungs- und Stadtgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg.
Architektonisch verbindet sie traditionelle osmanische Stilelemente mit moderner städtischer Bauweise und setzt am Luisenring einen markanten Akzent im Stadtbild. Zugleich erinnert das einstige Trümmergrundstück daran, welche Folgen Krieg und Zerstörung hinterlassen – und steht heute als sichtbares Bekenntnis zu Frieden, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Als aktives Zentrum muslimischen Lebens stärkt die Moschee das Miteinander zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägungen.
Ihre Geschichte dokumentiert die Entwicklung einer selbstbewussten muslimischen Gemeinde, die seit den 1960er-Jahren fest zum Leben dieser Stadt gehört. Die Aufnahme in die Denkmalliste unterstreicht daher ihre kulturhistorische, soziale und architektonische Bedeutung. Was einst mit türkischen Arbeiterinnen und Arbeitern begann, hat sich zu einer Gemeinschaft von Mitbürgerinnen und Mitbürgern entwickelt, die heute mit Überzeugung, Verantwortung und Heimatverbundenheit das Zusammenleben in Mannheim mitgestalten. All dies ist ein klares Zeichen für das weltoffene, multikulturelle und friedliche Mannheim.
• 13.09.2025 Die DITIB Mannheim nimmt erstmals an der „Nacht des offenen Denkmals“ am 13. September 2025 teil. Unterstützt wird sie dabei vom Landesamt für Denkmalpflege. Im Rahmen der Veranstaltung finden verschiedene Moscheeführungen statt.
• 12.03.2026 Der Mannheimer Morgen berichtete über das tägliche Fastenbrechen (Iftar) der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde Mannheim für Bedürftige in der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee. Während des Ramadan wurden jeden Abend über 100 frisch zubereitete Mahlzeiten ausgegeben, die durch Spenden finanziert und von Ehrenamtlichen organisiert wurden.
• 2026 Die Gemeinde engagiert sich verstärkt in den Bereichen Bildung, Soziales und Gesundheit. Zugleich bekräftigt sie ihr Eintreten für Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Darüber hinaus pflegt die Gemeinde den Austausch mit anderen Moscheegemeinden und Religionsgemeinschaften und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu gegenseitigem Verständnis, Respekt und einem friedlichen Miteinander in der Mannheimer Stadtgesellschaft. Die Gemeinde pflegt einen konstruktiven Austausch mit der Stadtverwaltung Mannheim, der Polizei sowie weiteren gesellschaftlichen Institutionen und trägt damit zu einem vertrauensvollen Miteinander bei.
• 2026 Die DITIB Mannheim ist Teil der 2. Gebietsgliederung der DITIB-Landesreligionsgemeinschaft Baden. Gemeinsam mit den Gemeinden Hockenheim, Ladenburg, Schwetzingen, Walldorf, Weinheim und Wiesloch werden religiöse Programme, Bildungsangebote und religiöse Feste organisiert. Darüber hinaus fördert die verstärkte Zusammenarbeit den Austausch und die Verbundenheit der Gemeinden über die Stadtgrenzen Mannheims hinaus. Die überörtliche Zusammenarbeit stärkt die Wahrnehmung der DITIB-Gemeinden als verlässliche religiöse Partner und unterstreicht ihre gemeinsame Verantwortung für religiöses Leben, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe in Baden-Württemberg.